Ratgeber · Antriebe
Plug-in-Hybrid Schweiz: was er im Alltag wirklich verbraucht
Ein Plug-in-Hybrid verbraucht im europäischen Alltag im Mittel 5,9 Liter auf 100 Kilometer. Das liegt nah an den 7,0 Litern, die ein neuer Verbrenner braucht, und die Studie beziffert die Abweichung vom Typprüfwert mit rund 300 Prozent. Grundlage sind die Bordmessdaten von rund einer Million Fahrzeugen. Hier steht, was die Daten messen, wie sich die Prüfregel ändert, was das bei Schweizer Benzinpreisen ausmacht und welche Frage du vor dem Kauf klärst.
Was die Daten messen
Die Bordgeräte (OBFCM) der Plug-in-Hybride zählen Kraftstoff- und Energieverbrauch über die bisherige Lebensdauer des Fahrzeugs, getrennt nach Fahrmodus. Die Daten liegen bei der Europäischen Umweltagentur. Im Februar 2026 hat das Fraunhofer ISI zusammen mit dem Öko-Institut und dem ifeu die Daten von rund einer Million Fahrzeugen ausgewertet, die zwischen 2021 und 2023 in Europa zugelassen wurden.
Rund 40 Prozent der Strecke fahren die Fahrzeuge im Modus mit entladender Batterie, bei einem mittleren Verbrauch von 2,8 Litern auf 100 Kilometer. Im Modus mit gehaltener Batterie, wenn also der Verbrenner die Arbeit übernimmt, sind es 7,4 Liter. Rein elektrisch fahren die Autos im Mittel etwa ein Viertel der Strecke, je nach Messgrösse 27 bis 31 Prozent.
Warum häufigeres Laden nicht genügt
Der Modus mit entladender Batterie heisst nicht, dass der Motor schweigt. Die Vorschrift verlangt nur, dass über den Prüfzyklus eine Mindestmenge Antriebsenergie aus der Batterie kommt, und sie sagt nicht, welcher Teil der Strecke rein elektrisch gefahren wird. In der Praxis läuft der Verbrenner deshalb auch bei geladenem Akku oft mit. Die Studie rechnet vor, dass der Flottenverbrauch im Mittel nicht unter 2,8 Liter oder 65 Gramm CO₂ je Kilometer fällt, wie oft die Autos auch geladen werden. Häufigeres Laden spart Kraftstoff, aber nur bis zu dieser Grenze.
Wie sich die Prüfregel ändert
Der Typprüfwert eines Plug-in-Hybrids gewichtet elektrisches und Verbrenner-Fahren mit einem Nutzungsfaktor, der von der elektrischen Reichweite abhängt. Ein Skalierungsfaktor in der Formel bestimmt, wie viel elektrisches Fahren angenommen wird. Die EU hat ihn angehoben und plant für 2027 eine weitere Anhebung. Die Tabelle zeigt, wie die Lücke zum Alltagsverbrauch dadurch kleiner wird.
| Regel | Skalierungsfaktor | Mittlere Lücke zum Alltagsverbrauch |
|---|---|---|
| EU-Regel bis 2024 | 800 km | über 300 % |
| EU-Regel 2025 und 2026 | 2’200 km | rund 100 % |
| EU-Regel ab 2027 | 4’260 km | rund 40 % |
| An den Alltag angepasst (Rechnung der Studie) | rund 7’200 km | rund 20 % |
Auch mit dem Wert, der ab 2027 gilt, bleibt nach der Rechnung der Studie eine Lücke von rund 40 Prozent. Erst ein Faktor von rund 7’200 Kilometern brächte sie auf etwa 20 Prozent, die Lücke, die bei reinen Verbrennern heute besteht.
Was das bei Schweizer Benzinpreisen ausmacht
Wir rechnen mit denselben Annahmen wie im Beitrag E-Auto ohne eigene Wallbox: 12’000 Kilometer im Jahr und Bleifrei 95 zu CHF 2.00 je Liter. Der Strom für die elektrisch gefahrenen Kilometer ist nicht eingerechnet.
- 5,9 Liter, das europäische Mittel: 708 Liter im Jahr, CHF 1’419.
- 7,4 Liter, wenn der Verbrenner die ganze Arbeit macht: 888 Liter, CHF 1’780.
- 2,8 Liter, der Mittelwert im Modus mit entladender Batterie: 336 Liter, CHF 673.
Ein Benziner mit 6,8 Litern kostet im selben Szenario CHF 1’635 Treibstoff. Zwischen 7,4 und 2,8 Litern liegen im Jahr rund CHF 1’100 Treibstoff. Wer sich den 2,8 Litern nähert, zahlt dafür Strom, und der streut je nach Ladeort stark.
Welche Frage du vor dem Kauf klärst
- Lädst du fast jeden Tag? Zu Hause oder am Arbeitsplatz. Fehlt dir die eigene Steckdose, zeigt der Reiter Laden, was öffentliche Ladepunkte in deiner Nähe bieten.
- Wie lang sind deine Tagesstrecken? Je mehr davon in die elektrische Reichweite des Modells passt, desto länger fährt das Auto im Modus mit entladender Batterie. Die elektrische Reichweite steht im Datenblatt des Modells.
- Genügt dir ein reines Elektroauto? Der Rechner Mein E-Auto legt die Jahreskosten nebeneinander, und der Beitrag Lohnt sich ein Elektroauto zeigt, wo sich die Rechnung dreht. Wie sich BEV, Vollhybrid und Plug-in technisch unterscheiden, steht im Beitrag BEV, Vollhybrid, Plug-in.
Was die Studie nicht sagt
- Die Schweiz. Die Auswertung gilt für Europa. Eine Schweizer Zahl nennt sie nicht, und wir rechnen keine nach.
- Die Fahrzeuge. Sie wurden 2021 bis 2023 zugelassen. Die Autoren verlangen, die Regel laufend an neue Messdaten anzupassen.
- Dein Auto. Alle Zahlen sind Mittelwerte über eine Million Fahrzeuge. Wer täglich lädt, liegt darunter, wer nie lädt, darüber.
Quellen: Plötz, Gnann, Kasten, Steinbach, Jöhrens: Regulatory adjustments needed for plug-in hybrid vehicles in Europe, Policy Brief des Fraunhofer ISI mit Öko-Institut und ifeu, Februar 2026, auf Grundlage der Bordmessdaten (OBFCM) der Europäischen Umweltagentur zu rund einer Million Fahrzeugen der Jahre 2021 bis 2023.
Transparenz: Die Verbrauchs- und Lückenwerte stammen aus dem Policy Brief. Die Rechnung in Franken ist unsere: 12’000 Kilometer im Jahr, Bleifrei 95 zu CHF 2.00 je Liter wie im Beitrag über das E-Auto ohne eigene Wallbox, ohne Strom. Die Studie wertet Europa aus und weist keine Zahl für die Schweiz aus.