Serie Antriebe · Teil 1 von 4

BEV, Vollhybrid, Plug-in: der eine Unterschied, aus dem alle anderen folgen

«Hybrid», «elektrifiziert», «Stromer» — im Autohaus und im Inserat werden diese Wörter durcheinandergeworfen, als bezeichneten sie dasselbe. Sie tun es nicht. Zwischen einem Vollhybrid und einem Plug-in liegt technisch mehr als zwischen einem Benziner und einem Diesel. Diese Serie nimmt die drei Antriebe auseinander, die am häufigsten verwechselt werden, und zwar für die Kaufentscheidung, nicht für die Statistik. Wie dieselben Kategorien die Marktzahlen verzerren, steht in einem eigenen Beitrag weiter unten. Hier geht es darum, was unter dem Blech tatsächlich passiert.

Teil 1 legt die Technik offen. Teil 2 nimmt Vor- und Nachteile und den sinnvollen Einsatz vor. Teil 3 behandelt Risiken und worauf du beim Kauf achtest. Teil 4 folgt im November mit der Analyse, die erst dann richtig Sinn ergibt: der Winterbetrieb.

Die eine Frage, die alles entscheidet: woher kommt die Energie?

Ein Auto braucht Energie, um vorwärtszukommen. Der einzige Unterschied, der zwischen den Antrieben wirklich zählt, ist die Herkunft dieser Energie. Alles andere — Kosten, Reichweite, Wartung, Emissionen — folgt daraus.

Damit ist der Kern erklärt. Der Rest sind Konsequenzen.

Die Batterie: Grössenordnungen, nicht Nuancen

Die Batteriekapazität trennt die drei sauber, und zwar um rund den Faktor fünfzig:

Diese Grössen erklären fast alles Weitere: Reichweite, Preis, Gewicht.

Rein elektrisch: wie weit tatsächlich

Wie viel Technik unter dem Blech steckt

Hier kippt das Bild. Elektrisch ist mechanisch einfach, hybrid ist kompliziert.

Ein BEV hat ein System: Batterie, Leistungselektronik, ein oder zwei Elektromotoren, ein festes Untersetzungsgetriebe. Kein Schaltgetriebe, keine Kupplung, kein Auspuff, kein klassischer Ölwechsel, kaum Verschleissteile. Der einfachste Antrieb, den ein Auto haben kann.

Ein Vollhybrid und ein Plug-in tragen zwei vollständige Systeme nebeneinander: einen kompletten Verbrennungsmotor mit Getriebe, Abgasanlage und Ölkreislauf — und dazu Elektromotor, Batterie und Leistungselektronik. Beide wollen gewartet werden, beide können ausfallen. Das ist der Preis der Flexibilität, und er taucht in Teil 2 und 3 wieder auf: bei Wartung, Zuverlässigkeit und Wiederverkauf.

Elektrisch ist der einfachste Antrieb, hybrid der komplizierteste. Der Verbrenner mit Stecker trägt zwei Antriebe gleichzeitig.

Warum elektrisch pro Kilometer günstiger fährt

Ein Elektromotor setzt rund 70 bis 90 Prozent der geladenen Energie in Vortrieb um. Ein Verbrennungsmotor kommt auf 20 bis 30 Prozent; der grosse Rest geht als Wärme verloren. Der Vollhybrid holt einen Teil dieser Verluste über die Rekuperation zurück und schiebt den Verbrenner in einen etwas besseren Wirkungsgrad — deshalb spart er vor allem in der Stadt, wo oft gebremst wird. Auf der Autobahn, wo kaum rekuperiert wird, schrumpft der Vorteil.

Die drei auf einen Blick

 BEVVollhybridPlug-in
EnergiequelleSteckdoseTankSteckdose und Tank
Batterie40–100+ kWh1–2 kWh10–25 kWh
El. Reichweite300–600 kmkeine (Schübe)40–140 km WLTP
Wird geladenja, immernieja, sonst sinnlos
Antriebstechnikein Systemzwei Systemezwei Systeme

Zwei Sonderfälle, die dazwischenliegen

Mildhybrid (MHEV): ein 48-Volt-Helfer, der den Verbrenner beim Anfahren unterstützt und beim Bremsen etwas zurückgewinnt. Er kann nicht elektrisch fahren. Technisch näher an der Start-Stopp-Automatik als am Elektroauto — auch wenn «Hybrid» auf dem Kofferdeckel steht.

Range Extender (REEV): fährt immer elektrisch, hat aber einen kleinen Verbrenner an Bord, der nie die Räder antreibt, sondern nur Strom für die Batterie erzeugt. Steckdose plus Tank, aber das Fahrgefühl eines Elektroautos. In der Schweiz wieder auf dem Markt, etwa bei Leapmotor.

Wie es weitergeht

Damit steht das technische Fundament. In Teil 2 geht es um Vor- und Nachteile und die Frage, für wen welcher Antrieb sinnvoll ist — und für wen ausdrücklich nicht. Teil 3 nimmt die Risiken vor: die Plug-in-Falle des nie geladenen Akkus, die Wartung zweier Systeme, worauf du beim Occasionskauf achtest. Teil 4 kommt im November, wenn die Frage praktisch wird: was Kälte mit Reichweite, Ladeleistung und Verbrauch macht.

Grundlage: allgemeine Antriebstechnik; Batterie- und Reichweitenangaben als marktübliche Bandbreiten, nicht modellgenau. Angabe zum elektrischen Fahranteil des Vollhybrids von Toyota. Die Einordnung der Kategorien für den Schweizer Markt stützt sich auf die Daten dieser Seite (auto-schweiz, Register ASTRA/IVZ).

BEV, Vollhybrid, Plug-in: der eine Unterschied, aus dem alle anderen folgen
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