Marktanalyse · Occasionsmarkt

Ein Viertel mehr Autos, als in der Zulassungsstatistik steht

Jeden Monat kommen mehrere tausend Personenwagen in die Schweiz, die hier nie neu zugelassen wurden. Sie tauchen in keiner Marktzahl auf, die zitiert wird — und sie ziehen die Flotte in die Gegenrichtung dessen, was die Neuzulassungen gerade tun.

Die Zahl

Von Januar bis September 2026 wurden 41’529 Personenwagen in der Schweiz erstmals erfasst, die zuvor im Ausland zugelassen waren. Im selben Zeitraum kamen 173’459 Neuzulassungen dazu. Der Importkanal entspricht damit 23,9 Prozent des Neuwagenmarkts — knapp ein Viertel obendrauf, und er steht in keiner der Zahlen, die üblicherweise über den Schweizer Automarkt zitiert werden.

37’518 dieser Fahrzeuge haben einen Verbrennungsmotor, aufs Jahr gerechnet rund 50’024 Fahrzeuge. Rein elektrisch waren 4’011 Personenwagen.

Der Kanal wächst, während die Neuzulassungen elektrisch werden

Jahreingeführte Verbrennergegenüber Vorjahr
202132’252—
202237’087+15,0 %
202339’612+6,8 %
202442’957+8,4 %
202546’006+7,1 %

In vier Jahren 42,6 Prozent mehr. Im selben Zeitraum stieg der Bestand reiner Elektroautos in der Schweiz von 74’000 auf 249’832 Fahrzeuge. Die beiden Bewegungen laufen gegeneinander, und nur eine davon wird berichtet.

Wer über den Umbau des Schweizer Fahrzeugbestands redet und nur Neuzulassungen anschaut, sieht ein Viertel der Bewegung nicht.

Was da über die Grenze kommt: stark, schwer, meistens deutsch

52,4 Prozent der eingeführten Verbrenner stammen aus Deutschland; vier deutsche Marken — VW, BMW, Audi und Mercedes-Benz — stellen zusammen 42,6 Prozent aller importierten Verbrenner. Sie sind deutlich stärker als das, was aus dem übrigen Ausland kommt: 145 kW im Median gegen 110 kW, also rund 197 gegen 150 PS. Bei den deutschen Importen haben 47,2 Prozent mindestens 150 kW, aus dem übrigen Ausland sind es 20,7 Prozent. Schwerer sind sie auch: 1’724 Kilogramm Leergewicht im Median gegen 1’550 Kilogramm.

Beim Hubraum trägt die naheliegende Vermutung nur für das obere Viertel. Der mittlere Import aus Deutschland hat 1’984 Kubikzentimeter — den üblichen Zweiliter, keinen grossen Motor. Über 2’500 Kubikzentimeter liegen 21,9 Prozent. Den Unterschied macht nicht das Volumen, sondern was daraus geholt wird: 11,6 Prozent der deutschen Importe leisten mehr als 300 kW, gut 400 PS. Aus dem übrigen Ausland sind es 4,3 Prozent.

Der Nebenbefund wiegt schwerer als die Motorgrösse

14,1 Prozent aller eingeführten Personenwagen sind reine Diesel. Bei den Schweizer Neuzulassungen derselben Periode sind es 5,3 Prozent — zweieinhalbmal so häufig also im Import. Beide Zahlen stammen aus demselben Register und derselben Periode; die auto-schweiz-Statistik wäre eine andere Grundgesamtheit und der Vergleich keiner.

Der Import zieht die Flotte damit in die Richtung, aus der die Neuzulassungen gerade herauslaufen.

Ein Viertel davon sind gar keine Occasionen

10’280 der 41’529 Fahrzeuge wurden binnen sechs Monaten nach ihrer Erstzulassung im Ausland in der Schweiz erfasst, also 24,8 Prozent. Das sind faktisch Direktimporte fabrikneuer Wagen und kein Occasionsgeschäft. Für die Frage, was auf dem Occasionsmarkt landet, gehören sie abgezogen. Für die Frage, was in der Neuzulassungsstatistik fehlt, nicht: keines dieser Fahrzeuge steht darin.

Der Zeitversatz, und warum er für Elektroautos anders ist

Zwischen der Erstzulassung im Ausland und der Erfassung in der Schweiz liegen über alle Antriebe 15 Monate im Median, bei Fahrzeugen aus Deutschland 18 Monate. Bei reinen Elektroautos sind es 4 Monate, bei deutschen Elektroautos 6 Monate.

Das steht quer zur verbreiteten Erwartung, die deutschen Leasingrückläufer kämen in zwei bis drei Jahren. Für Verbrenner stimmt sie ungefähr. Für Elektroautos nicht: dieser Nachschub läuft längst, nur ist er klein.

Was das für einen Kauf in der Schweiz heisst

Das Occasionsangebot bildet nicht ab, was in der Schweiz neu zugelassen wird, sondern was in Deutschland aus dem Leasing zurückkommt. Wer gebraucht kauft, trifft überdurchschnittlich häufig auf ein starkes deutsches Fahrzeug — und deutlich häufiger auf einen Diesel, als der Neuwagenmarkt vermuten liesse.

Beim Elektroauto ist es umgekehrt: Das Angebot ist enger, als die deutschen Stückzahlen erwarten lassen, entsteht aber früher. Ob sich Warten lohnt, hängt an Preis, Batteriezustand und Fahrbedarf — nicht am Angebotsvolumen allein. Der Vergleich zwischen Deutschland und der Schweiz rechnet das im Einzelnen durch.

Was das für unsere eigene Rechnung hiess

Der Szenariorechner im Reiter «Lage» hat einen Regler «Gebrauchtimporte Verbrenner pro Jahr». Er stand bis zum 26. August 2026 auf 20’000 — angenommen, nicht gemessen. Die Messung ergibt 50’000 Fahrzeuge, mehr als das Doppelte.

Das ändert eine Aussage des Modells: Bei 50’000 importierten Verbrennern pro Jahr bräuchte es bis 2036 eine jährliche Ausserverkehrsetzung von 5,9 Prozent, damit der Fahrzeugbestand der Reihe des Bundesamts für Statistik folgt. Eingestellt sind 4,1 Prozent. Mit 20’000 sagte der Rechner das nicht.

Was wir nicht wissen

Wir tragen diese Lücken nicht nach, um vorsichtig zu wirken, sondern weil eine Zahl, die wir nicht haben, auch nicht durch eine Schätzung ersetzt wird.

Quellen: ASTRA, Informationssystem Verkehrszulassung (IVZ), Datensatz Gebrauchtimporte (GEBR.txt), Datenstand 1. August 2026, sowie die Vorjahresdateien 2021 bis 2025 derselben Ablage. Neuzulassungen: ASTRA, IVZ, Datensatz Neuzulassungen monatlich. Fahrzeugbestand: Bundesamt für Statistik.

Zur Transparenz: Die Auswertung des Rohauszugs ist unsere eigene. Gezählt werden Personenwagen, deren Erstzulassung im Ausland liegt; der Zeitversatz ist die Differenz zwischen dieser Erstzulassung und der Erfassung in der Schweiz. «Verbrenner» heisst hier alles ausser rein elektrisch — ein Plug-in-Hybrid tankt weiter. Die Jahreszahl für 2026 ist aus sieben erfassten Monaten linear hochgerechnet; die Bandbreite dieser Hochrechnung steht oben. Der Rohauszug selbst wird nicht veröffentlicht: er enthält Einzelfahrzeuge mit Teil-Fahrgestellnummern. Die 5,9 Prozent Ausserverkehrsetzung sind keine Messung, sondern das Ergebnis unseres Szenariorechners bei den eingestellten Werten.

Ein Viertel mehr Autos, als in der Zulassungsstatistik steht
Die Kernzahl dieses Beitrags als Bild — zum Speichern und Teilen.
Beitrag teilen WhatsApp LinkedIn X E-Mail

Occasion oder neu durchrechnen →

Zum Weiterlesen