Analyse · Timing
Der beste Zeitpunkt für ein E-Auto ist selten «jetzt neu»
Der grösste Posten beim Autokauf steht auf keinem Schild: der Wertverlust. Bei einem Neuwagen kostet er in den ersten Jahren mehr als Treibstoff, Versicherung und Service zusammen.
Bei Elektroautos ist dieser Posten aktuell besonders gross. Gebrauchte E-Autos verloren 2025 im Schnitt 8,3 Prozent an Wert, gebrauchte Benziner 0,2 Prozent. Im ersten Quartal 2026 kamen bei den E-Autos weitere 3,2 Prozent dazu. Ein Jaguar I-Pace stand in einer Auswertung bei 62 Prozent unter Neupreis, ein Porsche Taycan bei 50 Prozent.
Der Wertverlust verschwindet nicht. Er wechselt nur den Besitzer.
Drei Gründe für den Druck
- Die Modellzyklen sind kurz. {NEU} Modelle wurden 2026 erstmals in der Schweiz zugelassen. Jedes neue Modell mit mehr Reichweite oder schnellerem Laden drückt den Preis des Vorgängers.
- Die Neuwagenpreise fallen ebenfalls. Neue Elektroautos wurden im Q1 2026 um 4,2 Prozent günstiger inseriert. Sinkt der Neupreis, sinkt der Occasionspreis mit. Der Occasionsverkäufer konkurriert dann mit einem billigeren Neuwagen.
- Die Nachfrage nach gebrauchten E-Autos hinkt. Die Standzeiten gebrauchter Elektroautos haben sich seit 2022 deutlich verlängert, während sie bei Verbrennern nur moderat stiegen.
Was das praktisch heisst
Neuwagen lohnt sich bei sieben Jahren Haltedauer oder mehr, hoher Fahrleistung und Lademöglichkeit zuhause. Dann verteilt sich der Wertverlust über genügend Jahre.
Occasion, zwei bis drei Jahre alt, bei kürzerer Haltedauer und mittlerer Fahrleistung. Den steilsten Teil der Wertkurve hat jemand anderes bezahlt. Preis dafür: nicht die neueste Ladetechnik.
Warten, wenn keine Lademöglichkeit zuhause absehbar ist. Kläre zuerst die Steckdose, dann das Fahrzeug.
Ein Punkt, an dem die Datenlage aufhört
Belastbare Zeitreihen zu Occasionspreisen einzelner Modelle sind in der Schweiz nicht öffentlich. Sie liegen bei Autovista/Eurotax und AutoScout24 hinter Bezahlschranken. Die einzigen frei verfügbaren Modellwerte stammen von Anfang 2024. Wer eine modellgenaue Restwertprognose braucht, zahlt dafür. Misstraue Prozentzahlen für einzelne Modelle ohne solche Grundlage.