Werkstatt · Wie der Szenariorechner rechnet

Was mit der Treibstoffsteuer passiert, wenn weniger getankt wird

Der Szenariorechner im Reiter «Lage» rechnet eine Frage durch, die in Bern seit Jahren offen ist: Was passiert mit den 4,41 Milliarden Franken Mineralölsteuer, wenn immer mehr Autos keinen Treibstoff mehr brauchen? Wer an den Reglern dreht, sollte wissen, was darunter läuft. Vier Punkte erklären das Meiste.

Die Steuer hängt am Liter, nicht am Preis

Die Mineralölsteuer ist ein Fixbetrag pro Liter. Auf Benzin sind es 43,12 Rappen Grundsteuer plus 30 Rappen Zuschlag, auf Diesel 45,87 plus 30. Für den Personenwagenverkehr rechnet der Rechner mit einem gewichteten Mischsatz von 73,5 Rappen je Liter. Dieser Betrag steigt nicht mit, wenn der Benzinpreis steigt.

Daraus folgt die ganze Mechanik. Der Bund verdient an einem höheren Preis an der Säule nichts — im Gegenteil: Ein höherer Preis senkt die getankte Menge, und die Menge ist die Bemessungsgrundlage. 2025 wurden 6,01 Milliarden Liter Strassentreibstoff abgesetzt, daraus flossen 4,41 Milliarden Franken. Die amtliche BAZG-Zeitreihe weist für dasselbe Jahr 5,822 Milliarden Liter Benzin und Diesel aus; der hier verwendete Wert liegt 3,2 Prozent darüber. Der Rechner rechnet mit dem höheren und weist die Differenz im Reiter «Methodik» aus. Wer wissen will, wohin die Einnahmen laufen, muss Liter zählen, nicht Franken.

Eine Neuzulassung ist kein Bestand

Das ist die Verwechslung, die fast jede Diskussion verzerrt. Von Januar bis August 2026 waren 24,6 Prozent aller neu zugelassenen Personenwagen rein elektrisch, 36,9 Prozent hatten einen Stecker. Im Bestand sieht es anders aus: Ende 2025 standen 249’832 Elektroautos in einem Bestand von rund 4,75 Millionen Personenwagen — gut 5 Prozent. Mit den Plug-in-Hybriden zusammen gut 8 Prozent.

Ein Personenwagen bleibt in der Schweiz gut zehn Jahre im Verkehr. Selbst wenn ab morgen jeder Neuwagen elektrisch wäre, bräuchte der Bestand ein Jahrzehnt, um nachzuziehen — und Steuer zahlt der Bestand, nicht die Neuzulassung. Deshalb wächst die Steuerlücke im Rechner träger, als die Zulassungszahlen vermuten lassen. Die Ansicht «Anteile» zeigt beide Linien nebeneinander.

Steuer zahlt der Bestand, nicht die Neuzulassung. Zwischen beiden liegt ein Jahrzehnt.

Liter verschwinden auf zwei Wegen

Der Antriebswechsel ist der eine Weg, und er ist der sichtbare. Der zweite läuft still nebenher: Verbrenner werden sparsamer. Der Rechner setzt 7,0 Liter je 100 Kilometer an und lässt diesen Wert um 1 Prozent pro Jahr sinken.

Dagegen steht ein Posten, der Liter hinzufügt: Der Fahrzeugbestand wächst, im Modell um 0,8 Prozent pro Jahr. Mehr Autos, mehr Kilometer. Dass diese Annahme über dem liegt, was die Bestandszahlen der letzten Jahre zeigen, steht als benannte Lücke im Reiter «Methodik» — sie kostet das Modell rund 97 Millionen Franken im Jahr.

Was die Kilometerabgabe erfasst und was nicht

Der Bund will die Lücke schliessen und hat dafür am 26. September 2025 zwei gleichrangige Varianten in die Vernehmlassung gegeben: eine Abgabe auf den in der Schweiz gefahrenen Kilometern oder eine Steuer von 22,8 Rappen je Kilowattstunde Ladestrom. Der Rechner bildet nur die erste ab. Deren Tarif ist nicht flach: Der Gesetzesentwurf nennt für Personenwagen 5,4 Rappen plus 0,0026 Rappen je Kilogramm über dem Referenzgewicht von 2’383 Kilogramm — 5,4 gilt für ein durchschnittlich schweres Fahrzeug, nicht für jedes. Erfasst würden batterieelektrische Fahrzeuge und Plug-in-Hybride, letztere zum halben Tarif; Verbrenner ohne Stecker zahlen weiter über den Liter.

Damit deckt die Abgabe genau einen der beiden Wege ab. Die Liter, die durch sparsamere Verbrenner verschwinden, erfasst sie nicht: Wer statt 7 nur 5 Liter braucht, zahlt weniger Mineralölsteuer und keine Kilometerabgabe. Dasselbe gilt für den wegbrechenden Tanktourismus. Das ist keine Kritik am Vorschlag, sondern eine Beschreibung seiner Reichweite — und der Grund, warum der Rechner Fehlbetrag und Deckung getrennt ausweist.

Was der Rechner nicht kann

Steuersätze: BAZG, Mineralölsteuergesetz. Treibstoffabsatz: Avenergy Suisse. Fahrzeugbestand: BFS, Strassenfahrzeugbestand jeweils Ende Jahr. Zulassungen: auto-schweiz, Daten ASTRA/IVZ, Januar bis August 2026. Abgabe auf Elektrofahrzeugen: ASTRA, Vernehmlassungsvorlage vom 26.09.2025 — Entwurf E-Fahrzeug-Abgabegesetz (Tarife in Anhang 2) und Entwurf E-Fahrzeug-Steuergesetz (Art. 8), dazu der erläuternde Bericht. Sämtliche Annahmen des Rechners liegen offen in steuerbasis.json; was das Modell nicht abbildet, steht im Lückenregister unter «Methodik».

Was mit der Treibstoffsteuer passiert, wenn weniger getankt wird
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