Analyse · Wie man Marktzahlen liest

Warum die Elektro-Quote in vielen Statistiken fast doppelt so hoch aussieht, wie sie ist

Zum Schweizer Fahrzeugmarkt kursieren zwei Zahlen. Die eine sagt, ein Drittel der Neuwagen sei elektrifiziert. Die andere sagt fast sechzig Prozent. Beide stimmen. Der Unterschied liegt in der Definition.

Eine frühere Version dieser Seite zählte alles mit, was elektrisch fahren kann: Elektroautos, Plug-in-Hybride, Range-Extender, Vollhybride. Ergebnis 80’234 von 138’656 Fahrzeugen, also 57,9 Prozent. Nur mit Ladeanschluss gerechnet bleiben 34,2 Prozent. Gleiche Rohdaten, gleicher Zeitraum.

Die Frage ist nicht, ob ein Auto elektrisch fahren kann. Die Frage ist, ob es an die Steckdose muss.

Wo genau die Grenze verläuft

Zwischen «Verbrenner» und «Elektroauto» liegen vier Zwischenstufen, und drei davon werden regelmässig durcheinandergeworfen:

Zwei Fälle, die regelmässig verwechselt werden

Toyota RAV4. Es gibt ihn als Vollhybrid und als Plug-in-Hybrid, und beide werden im Alltag «RAV4 Hybrid» genannt. Der Vollhybrid hat keine Steckdose und fährt elektrisch nur in Schüben bis 50 km/h. Der Plug-in-Hybrid der neuen Generation hat 22,7 kWh und kommt auf bis zu 137 Kilometer WLTP, die Vorgängergeneration hatte 18,1 kWh und 75 Kilometer. In der Schweiz wurden von Januar bis August 2026 204 RAV4 als Plug-in zugelassen. Der Vollhybrid taucht in dieser Statistik gar nicht auf, weil er keinen Ladeanschluss hat.

BMW i3. Der Name steht für drei verschiedene Autos. Der i3 von 2013 bis 2022 war ein Elektroauto. Die Variante i3 REx hatte zusätzlich einen kleinen Zweizylinder als Generator, also einen Range Extender mit Steckdose. Und ab Mitte 2026 kommt ein völlig neuer i3 als Limousine und Touring der Neuen Klasse, wieder rein elektrisch. Wer ein Inserat mit «BMW i3» sieht, muss auf Baujahr und Ausstattung schauen, nicht auf den Namen.

Für die Kaufentscheidung ist die Abstufung nicht fliessend. Ein Mildhybrid ändert nichts an Tankstelle, Reichweite, Wartung oder Steuer. Ein Vollhybrid senkt den Verbrauch im Stadtverkehr spürbar, ändert aber ebenfalls nichts daran, dass du an die Tankstelle fährst. Ein Plug-in-Hybrid braucht eine erreichbare Steckdose, sonst kaufst du Mehrgewicht ohne Gegenwert. Diese Seite zählt deshalb bei der Steckdose.

Warum die Verwechslung so hartnäckig ist

Die Hersteller nennen ihre 48-Volt-Systeme selten Mildhybrid. Bei den deutschen Premiummarken heissen sie EQ Boost, e-tron-Zusatz oder schlicht «Hybrid». In der zugrunde liegenden Auswertung standen unter Vollhybrid ein «C 220 D 4MATIC», ein «X1 xDrive20d» und ein «GLC 220 d». Alles Dieselmotoren mit 48-Volt-Unterstützung, die keinen Meter elektrisch fahren.

Bei Mercedes-Benz, BMW, Audi und Porsche summieren sich diese Fahrzeuge auf gut 13’000 Einheiten. Daran hängt der ganze Unterschied zwischen den beiden Zahlen.

Wer eine Elektro-Quote liest, sollte immer eine Frage stellen: Sind Vollhybride mitgezählt?

Was daraus für den Kauf folgt

Was diese Seite deshalb anders macht

Der Zähler oben zählt nur Fahrzeuge mit Ladeanschluss: Elektroautos, Plug-in-Hybride mit Benzin- und Dieselmotor, Range-Extender. Voll- und Mildhybride sind draussen, weil sich die beiden Kategorien in den verfügbaren Daten nicht sauber trennen lassen. Eine engere Zahl ist besser als eine unsaubere.

Datengrundlage: auto-schweiz, Register ASTRA/IVZ, Stichtag 31.08.2026, Personenwagen CH und FL. Vergleichszahlen zur Vollhybrid-Zählung aus einer eigenen Auswertung von ASTRA-Zulassungsdaten für denselben Zeitraum. Angaben zum Vollhybrid-Betrieb von Toyota Deutschland, Fahrzeugdaten zum RAV4 Plug-in von ADAC und motor1 (April 2026).

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