Ratgeber · Garantie
Acht Jahre, 70 Prozent — und vier Marken, die keine Zahl nennen
Ein gemessener Batteriezustand beantwortet eine Frage und stellt die nächste. 88 Prozent nach fünf Jahren — ist das ein Garantiefall? Die Antwort steht nicht im Messprotokoll, sondern in den Bedingungen des Herstellers. Und die sind in der Schweiz nicht dieselben wie in Deutschland: die Importeure sind eigene Rechtsträger. Wir haben sie für die fünfzehn grössten Marken im Schweizer Steckermarkt nachgelesen, jede an ihrem eigenen Dokument.
Zehn von vierzehn sagen dasselbe
Acht Jahre oder 160’000 Kilometer, je nachdem was zuerst eintritt, und eine garantierte Restkapazität von 70 Prozent: diese drei Zahlen nennen zehn der fünfzehn Marken, deren Bedingungen wir belegen konnten — BMW, Volkswagen, Seat/Cupra, Škoda, Volvo, Renault, Kia, Toyota, Porsche und Audi, teils im selben Wortlaut. Vierzehn der fünfzehn nennen acht Jahre, zwölf nennen 160’000 Kilometer. Leapmotor veröffentlicht keine Garantiebedingungen; die beiden Zahlen stehen im Werbetext der Schweizer Seite.
| Marke | Jahre | Kilometer | Schwelle |
|---|---|---|---|
| BMW | 8 | 160’000 | 70 % |
| Volkswagen | 8 | 160’000 | 70 % |
| Seat / Cupra | 8 | 160’000 | 70 % |
| Škoda | 8 | 160’000 | 70 % |
| Audi | 8 | 160’000 | 70 % |
| Volvo | 8 | 160’000 | 70 % |
| Renault | 8 | 160’000 | 70 % |
| Kia | 8 | 160’000 | 70 % |
| Toyota | 8 | 160’000 | 70 % |
| Porsche | 8 | 160’000 | 80 %, dann 70 % |
| Mercedes-Benz | 10 | 250’000 | keine |
| BYD | 8 | 250’000 | keine |
| Hyundai | 8 | 160’000 | keine |
| Tesla | 8 | ohne Grenze | ausgeschlossen |
| Leapmotor | — | — | — |
Drei Abweichungen nach oben: Mercedes-Benz nennt für EQS und EQE zehn Jahre und 250’000 Kilometer, für den elektrischen GLB, CLA, GLC und die G-Klasse acht Jahre und 160’000. BYD garantiert 250’000 Kilometer. Toyota verlängert über sein Relax-Programm auf bis zu zehn Jahre, wenn der Wagen jährlich beim Partner zum Service kommt. Porsche garantiert in den ersten drei Jahren 80 Prozent und danach 70.
Die Schwelle ist die Zahl, auf die es ankommt
Jahre und Kilometer sagen, wie lange die Garantie läuft. Ob sie greift, sagt die Schwelle. Fällt die nutzbare Kapazität unter 70 Prozent, ist das ein Garantiefall; liegt sie bei 72, ist es keiner — auch wenn die Reichweite im Alltag spürbar kürzer geworden ist. Fünf der fünfzehn Marken nennen keine Schwelle: Mercedes-Benz, BYD, Hyundai, Leapmotor und Tesla. Bei vieren heisst das, dass die Zahl nicht öffentlich steht. Bei Tesla heisst es etwas anderes.
Eine Garantie ohne Kapazitätsschwelle greift bei einem Defekt. Der Verschleiss, den jede Batterie hat, fällt nicht darunter.
Tesla schliesst den Verschleiss ausdrücklich aus
In der Schweizer Fassung der Tesla-Neuwagengarantie steht der Satz: «Der Energie- oder Leistungsverlust der Batterie im Laufe der Zeit oder aufgrund oder infolge der Batterienutzung ist durch diese Batterie- und Antriebseinheit-Garantie NICHT gedeckt.» Die Grossschreibung stammt aus dem Dokument. Acht Jahre gelten, ohne Kilometerbegrenzung — aber für Defekte, nicht für Alterung. Das Dokument, das wir gelesen haben, gilt für Model S und Model X. Für Model 3 und Model Y, die in der Schweiz die Stückzahlen tragen, führt Tesla eigene Bedingungen; wir haben sie nicht belegt und nennen deshalb keine Zahl.
Fünf Marken, ein Dokument
Volkswagen, Seat, Cupra, Škoda und Audi werden in der Schweiz von der AMAG importiert, und ihre Batteriegarantie steht in denselben Bedingungen — bei Volkswagen und Seat Wort für Wort gleich. Zusammen tragen diese Marken 25,3 Prozent der Steckerzulassungen von Januar bis August 2026. Wer zwischen einem ID.4 und einem Enyaq wählt, wählt bei der Garantie nicht.
Die AMAG-Bedingungen trennen zwei Dinge, die anderswo zusammenstehen. Die Haltbarkeitsgarantie deckt Mängel in Werkstoff und Werkarbeit — bei Audi ausdrücklich nur an vier Bauteilen: Zellmodule, Batteriegehäuse, Kühlelemente und die Verbinder der Batteriemodule. Sie umfasst, wörtlich, «nicht einen etwaigen Verlust des Netto-Batterieenergieinhalts». Dafür gibt es eine zweite Garantie, und die trägt die 70 Prozent. Was sie wiederherstellt, ist gestaffelt: bis drei Jahre oder 60’000 Kilometer auf 78 Prozent, bis fünf Jahre oder 100’000 auf 74, bis acht Jahre oder 160’000 auf 70. Wer früh unter die Grenze fällt, bekommt mehr zurück als wer spät fällt.
Audi staffelt zusätzlich nach Modell. Der e-tron GT beginnt bei 80 Prozent statt 78. Der Q4 e-tron trägt gar keine Zwischenstufen — dort gilt von Anfang an nur die Endstufe von 70 Prozent. Gleiches Dokument, andere Zeile.
Wer misst, entscheidet
Die AMAG-Bedingungen verlangen eine Energieinhaltsmessung «bei einem Marken Servicepartner». Wie gemessen wird, steht auch da: die nutzbare Kapazität in Amperestunden wird bei einem qualifizierten Ladehub ermittelt und mit der Nennspannung der Batterie multipliziert. Ein Zertifikat von Aviloo oder vom TCS ist damit kein Garantienachweis. Es bleibt ein Preisargument gegenüber einem Verkäufer — für den Hersteller zählt seine eigene Messung.
Der Ausschluss, der die Laderegel betrifft
Die Garantie entfällt unter anderem, wenn die Vorschriften über Betrieb und Pflege nicht befolgt wurden, «insbesondere die Pflegehinweise für das Laden und den Ladezustand der Hochvoltbatterie». Das trifft eine verbreitete Faustregel. «Nie voll laden» gilt für nickelbasierte Zellen; Autos mit Lithium-Eisenphosphat-Batterie sollen regelmässig auf 100 Prozent geladen werden, und manche Hersteller schreiben es vor. Wer die falsche Regel befolgt, handelt gegen die Betriebsanleitung seines eigenen Autos.
Wann die acht Jahre anfangen
Nicht immer bei der Erstzulassung. BMW nennt drei Zeitpunkte und lässt den frühesten gelten: die Erstzulassung, auch als Vorführwagen; die Übergabe an den Endkunden, auch ohne Zulassung; oder das Überschreiten von 99 Kilometern nach den elektronischen Fahrzeugdaten. Ein Vorführwagen ist damit älter, als sein Fahrzeugausweis sagt. Kia rechnet ab der Erstzulassung, Hyundai ab der Erstauslieferung in der Schweiz oder der Erstzulassung.
Was du beim Kauf damit machst
- Rechne das Enddatum aus, nicht die Jahre. Erstzulassung plus acht Jahre, und den Kilometerstand gegen die Grenze halten. Was zuerst eintritt, zählt.,Frag nach der Schwelle, nicht nach der Garantie. «Acht Jahre Garantie» sagt bei vier der vierzehn Marken nichts über die Kapazität.,Ein unabhängiges Zertifikat verhandelt den Preis, nicht die Garantie. Für einen Garantieantrag zählt die Messung des Markenpartners.,Lies die Ladevorschrift deines Modells. Sie steht in der Betriebsanleitung und ist Teil der Garantiebedingung.,Bei einem Vorführwagen fragst du nach dem Auslieferdatum. Die Frist kann vor der Erstzulassung begonnen haben.
Quellen: die Garantiebedingungen der Hersteller für die Schweiz, je Marke am eigenen Dokument gelesen und mit Adresse, Abrufdatum und dem Satz im Wortlaut abgelegt in batteriegarantie.json ↗. Darunter BMW (Schweiz) AG, «Qualitäts-Zertifikat für Hochvoltbatterie_2025-11»; AMAG Import AG, «Allgemeine Garantiebestimmungen» und «Audi Garantie AGB 2026»; Tesla, «Beschränkte Garantie bei Neuwagen», europäische Fassung für die Schweiz; dazu die Garantieseiten von Škoda, Volvo, Mercedes-Benz, BYD, Renault, Kia, Toyota, Porsche und Hyundai. Zulassungsanteile: auto-schweiz, Stecker-Statistik Januar bis August 2026.
Zum Vorgehen: abgefragt wurden die Schweizer Herstellerseiten, nicht die deutschen — eine deutsche Garantiebedingung gilt hier nicht. Fünf Marken lassen keinen automatisierten Abruf zu; ihre Dokumente sind von Hand geholt. Für Leapmotor führt die Schweizer Seite keine Garantieseite, deshalb steht dort keine Zahl statt einer geschätzten. Die Bedingungen ändern sich; jede Zeile der Datei trägt ihr Abrufdatum.