Markt & Europa
Teurer Strom, mehr Elektroautos — und die Schweiz zahlt mehr als Europa
Billiger Strom müsste Elektroautos verkaufen. Über 37 europäische Länder gerechnet trifft das nicht zu: Wo der Haushaltsstrom teuer ist, tragen mehr Neuwagen einen Stecker. Im oberen Preisdrittel sind es 27,8 Prozent, im unteren 9,6. Und die Schweiz, deren Strom als günstig gilt, zahlt 29,00 Rp./kWh und liegt damit auf Rang 4 von 38.
Die Schweiz liegt über dem EU-Schnitt
Vergleichbar sind die Preise nur ohne Mehrwertsteuer. Die ElCom weist Schweizer Tarife netto aus, Eurostats Normalfall ist mit allen Abgaben. Wer beide nebeneinanderlegt, macht die Schweiz um 8,1 Prozent billiger, als sie ist. Die Tabelle nimmt deshalb für jedes Land den Stand ohne Mehrwertsteuer, Netznutzung und übrige Abgaben inbegriffen.
| Land | Rp./kWh | rein elektrisch |
|---|---|---|
| Irland | 34,60 | 18,6 % |
| Belgien | 30,80 | 34,1 % |
| Deutschland | 30,34 | 19,1 % |
| Schweiz | 29,00 | 22,3 % |
| EU-Schnitt | 22,91 | 17,3 % |
| Türkei | 5,39 | 16,7 % |
Die Schweizer Zahl ist der amtliche Wert der ElCom für das Tarifjahr 2025, Profil H4 mit 4’500 kWh im Jahr. Das ist das Profil, das in Eurostats Verbrauchsband von 2’500 bis 4’999 kWh fällt. Umgerechnet wurde mit 0,9329 CHF je Euro, dem Mittel derselben sechs Monate, über die auch die Preise gemittelt sind. Einen eigenen Strompreis meldet die Schweiz nicht an Eurostat; sie steht deshalb in keiner der Rechnungen weiter unten.
Teurer Strom steht neben mehr Steckern
Über die 37 Länder mit beiden Zahlen gerechnet, läuft der Zusammenhang in die andere Richtung als erwartet: 0,38 zwischen Strompreis und Steckeranteil, also schwach positiv statt negativ. Anschaulicher ist der Drittelvergleich. Die zwölf teuersten Strommärkte kommen im Mittel auf 27,8 Prozent Neuwagen mit Stecker, die zwölf billigsten auf 9,6. Das sind 18,1 Punkte Abstand, und zwar zugunsten der teuren.
Im oberen Preisdrittel trägt gut jeder vierte Neuwagen einen Stecker. Im unteren nicht einmal jeder zehnte.
Woran es stattdessen liegt
Der Strompreis steht neben dem Elektroanteil, ohne ihn zu erklären. Näher liegt der Wohlstand: Zwischen dem Bruttoinlandprodukt je Kopf und dem Steckeranteil liegt über dieselben 31 Länder ein Zusammenhang von 0,64, zwischen Strompreis und Steckeranteil nur 0,28. Wohlhabende Länder haben auch teuren Strom, 0,51 zwischen diesen beiden. Der Strompreis bewegt sich also mit dem Wohlstand, und daher rührt sein Zusammenhang mit der Quote.
Das ist keine Aussage darüber, was ein einzelner Haushalt beim Kauf rechnet. Für den zählt der Abstand zwischen Strom- und Benzinkosten über die Haltedauer, und den entscheidet der eigene Tarif, nicht der Landesdurchschnitt. Europaweit vergleichbare Benzinpreise liegen uns nicht vor, deshalb steht dieser Abstand hier für kein Land.
Beim reinen Elektroauto liegt die Schweiz vorn
In der Zulassungsstatistik 2025 waren 22,3 Prozent der Schweizer Neuwagen rein elektrisch. Der EU-Schnitt lag bei 17,3, Deutschland bei 19,1. Der Rückstand, den man der Schweiz nachsagt, steht in dieser Zahl nicht: Sie liegt 5,0 Punkte über der EU und 3,2 über Deutschland.
Eine Zahl, die wir nicht vergleichen können
Beim Steckeranteil, also rein elektrisch plus Plug-in-Hybride, hört die Vergleichbarkeit auf. Eurostat führt für die Schweiz 3,0 Prozent Plug-in-Hybride, auto-schweiz misst für denselben Zeitraum 10,7. Der Abstand ist mehr als das Dreifache, und er liegt nicht an Eurostat: Für Deutschland deckt sich dieselbe Reihe mit der amtlichen deutschen Statistik. In der Schweizer Meldung landen die Plug-ins offenbar im Sammelposten für Hybride ohne Stecker, der hier auf 37,9 Prozent kommt gegen 22,7 in Deutschland.
Solange das so ist, nennt diese Seite für die Schweiz keinen europäisch vergleichbaren Steckeranteil. Die 25,3 Prozent, die sich aus den Eurostat-Zahlen ergäben, stünden neben 30,0 für Deutschland und sähen nach Rückstand aus. Der wäre zum grösseren Teil eine Meldelücke. Der Fall steht als lg34 im Lückenregister.
Was wir nicht wissen
- Warum die Schweizer Plug-in-Meldung abweicht. Dass sie abweicht, ist gemessen. Wo im Meldeweg zwischen Strassenverkehrsamt und Eurostat es passiert, haben wir nicht nachgefragt.
- Ob der Treibstoffpreis den Unterschied erklärt. Er wäre der nächste Kandidat, weil sich ein Elektroauto am Abstand zum Benzinpreis rechnet. Europaweit vergleichbare Treibstoffpreise haben wir nicht erhoben.
- Was der Wohlstand im Einzelnen bewirkt. Ein Zusammenhang von 0,64 ist keine Ursache. Kaufprämien, Firmenwagenregeln und Ladeinfrastruktur hängen alle am selben Wohlstand und sind hier nicht getrennt.
- Wie 2026 aussieht. Eurostat liefert Jahreswerte, der vollständige Jahrgang 2026 liegt frühestens 2027 vor. Monatliche Anteile gibt es europaweit nicht amtlich.
Was das für einen Kauf heisst
- Wer mit billigem Schweizer Strom rechnet, rechnet zu günstig. 29,00 Rp./kWh netto sind europäisches Spitzenfeld, 26,6 Prozent über dem EU-Schnitt und nur 1,34 Rappen unter Deutschland.
- An den Ladekosten dieser Seite ändert das nichts. Sie rechnen ohnehin mit dem amtlichen Schweizer Wert und nicht mit einem europäischen Mittel.
- Der Strompreis eines Landes sagt nichts über die eigene Rechnung. Was zählt, ist der Tarif der eigenen Gemeinde gegen den eigenen Treibstoffverbrauch. Beides steht in den Reitern «Laden» und «Gesamtkosten».
- Ein Blick auf die Quote allein führt in die Irre. Je nachdem, ob man rein elektrisch oder mit Stecker zählt, liegt die Schweiz vor oder hinter Deutschland. Wer eine solche Zahl zitiert, nennt dazu, welche es ist.
Quellen: Eurostat, «Electricity prices for household consumers» (nrg_pc_204), zweites Halbjahr 2025, Verbrauchsband 2’500–4’999 kWh, ohne Mehrwertsteuer; «New passenger cars by type of motor energy» (road_eqr_carpda), Jahr 2025; «Main GDP aggregates per capita» (nama_10_pc), Jahr 2025; Wechselkurs über «Euro/ECU exchange rates» (ert_bil_eur_m). Schweizer Tarif: ElCom, amtlicher Wert für das Tarifjahr 2025, Profil H4, über static/energiepreise.json. Schweizer Antriebsarten zum Abgleich: auto-schweiz, Stecker-Statistik Januar bis August 2025.
Transparenz: Die Korrelationen sind Pearson-Werte über alle Länder, die beide Grössen melden — keine redaktionelle Auswahl, denn eine Korrelation über handverlesene Länder misst die Hand. EU- und Euroraum-Aggregate sind ausgenommen, sie wären ihre eigenen Mitglieder ein zweites Mal. Die Schweiz fehlt in der Preisreihe und steht in keiner Korrelation. Der Drittelvergleich teilt die 37 Länder nach Preis in drei Gruppen zu zwölf; das mittlere Drittel bleibt unerwähnt, weil es nichts trennt. Jede Zahl dieses Beitrags wird bei jedem npm test aus static/strompreise_eu.json nachgerechnet und im Text gesucht, in allen vier Sprachen.