Ratgeber · Batteriecheck
Wo du den Batteriecheck für ein Occasions-E-Auto machst — und ob du ihn selber machen kannst
Die Batterie ist das teuerste Teil am Elektroauto und beim Occasionskauf die grösste Unbekannte. Die gute Nachricht: In der Schweiz kannst du ihren Zustand unabhängig prüfen lassen und bist dafür nicht auf das Wohlwollen des Verkäufers angewiesen. Hier steht, bei wem, was es kostet und ob du es selber machen kannst.
Zwei Arten von Test
Beide messen den «State of Health» (SoH), also die verbleibende Kapazität gegenüber dem Neuzustand — aber unterschiedlich gründlich.
- Flash-Test: rund 20 Minuten über die Diagnosebuchse, vor Ort, Zertifikat sofort. Eine Momentaufnahme. Gut für eine schnelle, standardisierte Zahl.
- Premium- oder Occasionstest: der genaue. Ein Gerät zeichnet eine ganze Entladefahrt auf, von 100 auf unter 10 Prozent, wertet Millionen Datenpunkte aus und weist auch einzelne schwache Zellen aus. Mehr Aufwand, präziser, Zertifikat in etwa zwei Arbeitstagen.
Bei wem in der Schweiz
- TCS. Bietet den Aviloo Flash-Test an seinen Fahrzeugkontrollzentren an. Im Kanton Zürich CHF 75 für Mitglieder, CHF 115 für Nichtmitglieder; der umfassendere E-Occasionstest CHF 255 respektive CHF 330. Die Preise unterscheiden sich je nach TCS-Sektion. Der TCS war der erste Anbieter dieses standardisierten Tests in der Schweiz, unterstützt von EnergieSchweiz.
- ACS. Der Automobil Club der Schweiz arbeitet mit Aviloo zusammen und vermittelt den Premium-Test, Zertifikat per Mail in zwei Arbeitstagen. Mitglieder erhalten Sonderkonditionen.
- AXA. Der Versicherer bietet seinen Kundinnen und Kunden seit 2023 vergünstigten Zugang zum Aviloo-Test. Auch hier steckt dasselbe Verfahren dahinter.
- Aviloo direkt. Das österreichische Unternehmen steckt hinter beiden Tests. Den Premium-Test kannst du direkt bestellen, ab rund 99 Euro — Gerät per Post, du fährst, Zertifikat per Mail.
- Garagen. Viele Werkstätten, etwa die eGarage-Partner, führen den Aviloo-Test vor Ort durch.
- Der Verkäufer. Immer öfter liegt schon ein Zertifikat bei, auch auf den Occasionsplattformen. Prüfe dann das Datum: Ein zwei Jahre altes Zertifikat beschreibt einen anderen Zustand.
Wichtig zu wissen: Das sind viele Türen, aber dahinter steht fast immer derselbe Anbieter. TCS, ACS, AXA und die meisten Garagen verkaufen alle das Aviloo-Verfahren weiter. Ein gleichwertiges, unabhängiges Konkurrenzzertifikat gibt es im Schweizer Markt derzeit praktisch nicht. Der SoH-Wert, den das Auto selbst über die Diagnosebuchse ausgibt, ist kein Ersatz — er ist herstellerspezifisch und nicht zwischen Marken vergleichbar.
Nicht verwechseln — Versicherung ist kein Test. Eine E-Auto-Versicherung mit Akku-Deckung, etwa «Elektro-Plus» bei der Zürich, ersetzt dir im Schadenfall die Batterie oder deckt Schäden durch falsches Laden. Sie sagt dir aber nichts über den Gesundheitszustand des Akkus. Ein Batterietest misst genau diesen Zustand, hilft dir dafür nicht, wenn die Batterie kaputtgeht. Das eine schützt dein Portemonnaie, das andere deine Kaufentscheidung. Die AXA steht oben in der Liste, weil sie den Test vermittelt — nicht wegen ihrer Versicherung. Auch der Sicherheitscheck, den ein Versicherer nach einer Reparatur macht, ist kein SoH-Zertifikat.
Für die Preisverhandlung brauchst du kein teures Gerät, sondern ein Zertifikat, das jemand Unabhängiges ausstellt.
Kann man es selber machen?
Zum Teil ja, und das überrascht viele. Der Premium-Test ist im Kern ein Selbsttest: Das Gerät kommt per Post, du fährst die Batterie selbst leer, lädst die Daten hoch und bekommst das Zertifikat — ganz ohne Werkstatttermin.
Noch günstiger geht es mit einem einfachen OBD-Stecker für 20 bis 50 Franken und einer App wie Car Scanner oder, für Nissan, LeafSpy. Die liest bei vielen Modellen einen SoH-Rohwert aus. Zwei Haken: Es ist modellabhängig und du musst die Zahl selbst einordnen können — und es ist kein unabhängiges, standardisiertes Zertifikat, mit dem du beim Verkäufer oder Hersteller antrittst. Für die eigene Beruhigung reicht der Stecker. Als Beweismittel in der Verhandlung taugt er nicht.
Worauf der Test keine Antwort gibt
Ein SoH-Test misst die Kapazität und die Zellen. Er prüft nicht die Mechanik und Peripherie der Batterie — Gehäuse, Dichtungen, Sensoren, Pumpen, Kabel. Das schreibt der TCS ausdrücklich dazu. Und eine Flash-Momentaufnahme ist weniger exakt als eine volle Entladefahrt. Auch gilt: SoH ist nicht gleich SoH, verschiedene Verfahren liefern nicht denselben Wert. Wer die Zahl liest, sollte wissen, was sie abdeckt und was nicht.
Was der SoH-Wert genau bedeutet und welche Zahl gut oder schlecht ist, steht im Occasion-Tab unter «Die Batterie prüfen».
Quellen: TCS (Aviloo Flash-Test, E-Occasionstest), Preisangaben Kanton Zürich über Blick (März 2025); ACS-Medienmitteilung zur Aviloo-Partnerschaft; Aviloo (Premium-Test, Zertifikat); EnergieSchweiz (Roadmap Elektromobilität). Preise variieren je nach TCS-Sektion und über die Zeit — vor der Buchung prüfen.