Kosten & Tarife · Was dein Strom kostet

Strom (1/5): Wie sich dein Strompreis zusammensetzt

Dieselbe Kilowattstunde kostet im Tarifjahr 2026 in Zwischbergen VS 9,64 Rappen und in Kestenholz SO 43,61 — das 4,52-Fache, im selben Land. Wechseln kannst du nicht: Der Preis kommt mit der Adresse. Ein Teil der Erklärung liegt hundert Jahre zurück.

Verhandeln geht nicht, wechseln auch nicht

Als Privathaushalt bist du in der Grundversorgung. Zuständig ist der Netzbetreiber, dessen Leitungen zu deinem Haus führen, und nur der. Frei einkaufen dürfen Endkunden ab 100’000 kWh im Jahr; die vier Haushaltsprofile der ElCom liegen zwischen 2’500 und 13’000 kWh.

Damit fällt die Frage weg, die bei jeder anderen Rechnung zuerst kommt. Es gibt keinen Anbietervergleich, kein Kündigungsdatum, keinen Wechselbonus. Was bleibt, ist die Frage, woraus der Preis besteht und welchen Teil davon du selbst beeinflussen kannst.

Tausend Werke in einem kleinen Land

Die Schweiz elektrifizierte sich von unten. 1900 zählte das Land 140 Elektrizitätswerke, 1905 waren es 490, 1910 bereits 780, und 1913 überschritt die Zahl erstmals tausend. Gebaut wurden sie von Gemeinden und von Genossenschaften, die sich in den Dörfern zusammentaten. Das Starkstromgesetz von 1902 räumte den Gemeindewerken eine Monopolstellung ein und verfestigte damit, was ohnehin entstanden war.

Daraus kommt die Struktur, die heute noch trägt: hunderte kleine Versorgungsgebiete, jedes mit eigenem Netz, eigener Beschaffung und eigenem Tarif. Wie hoch der Tarif im Einzelfall ausfällt, hängt an der Beschaffungsstrategie des Werks, an der Netzstruktur im Versorgungsgebiet und an den lokalen Abgaben. Die ElCom nennt die Unterschiede bei der Energiebeschaffung als einen der Hauptgründe für die grossen Tarifdifferenzen.

Die Zahl der Werke sinkt, seit es die Statistik gibt

Gezählt über die Tarifmeldungen selbst: Für das Tarifjahr 2011 meldeten 712 Netzbetreiber einen Haushaltstarif, für 2027 sind es 535. Das sind 177 weniger in sechzehn Jahren, ein Viertel des Bestands. Die Zahl der Gemeinden in derselben Statistik fiel von 2’604 auf 2’108.

Der Rückgang wird oft der Strommarktöffnung von 2009 zugeschrieben. Das Bundesamt für Energie nennt einen anderen Grund zuerst: «Grund dafür sind vor allem Gemeindefusionen.» Beide Reihen oben stützen das — die Zahl der Gemeinden fällt im selben Takt wie die der Werke.

Fünfzig Jahre Strompreis

Nominal hat sich Strom für einen Schweizer Haushalt seit 1975 auf das 2,7-Fache verteuert: von 11,2 auf 29,9 Rp./kWh im Jahr 2025. Rechnet man die Teuerung heraus, bleibt eine andere Zahl. In Preisen von 2020 kostete die Kilowattstunde 1975 22,8 Rappen und 2025 28,0 — 22,8 Prozent Anstieg in einem halben Jahrhundert.

Interessanter als Anfang und Ende ist der Verlauf. Real wurde Strom über zwei Jahrzehnte billiger; der Tiefpunkt liegt 2007 bei 16,6 Rappen, 27,2 Prozent unter dem Wert von 1975. Allein zwischen 1995 und 2007 fiel er um 23,9 Prozent. Danach ging es langsam aufwärts, bis 2022 auf 21,2 Rappen.

Dann kam der Bruch. 2023 sprang der reale Preis auf 26,2 Rappen, 2024 auf 30,6. Das ist der höchste Wert seit dem Beginn der Reihe — mit einer Ausnahme: 1960, dem ersten Jahr, lag er mit 31,6 Rappen noch darüber. Seither sinkt er wieder, 2025 auf 28,0.

Real war Strom 2007 billiger als 1975. Die drei Jahre ab 2023 haben diesen Vorsprung aufgebraucht.

Fünf Posten, und drei davon sind lokal

Der Tarif besteht aus fünf Teilen. Für das Tarifjahr 2026, im Median über 2’123 Gemeinden und für das Profil H4 mit 4’500 kWh Jahresverbrauch:

Die fünf Mediane summieren sich nicht auf den Medianpreis, und das ist keine Rechenpanne: Mediane sind nicht additiv. Dazu kommt eine Grundgebühr in Franken pro Jahr, die Teil 2 aufschlüsselt; sie hängt nicht am Verbrauch. Nur die mengenabhängigen Posten sinken, wenn du weniger Strom aus dem Netz beziehst.

43 Rappen von einem Franken sind Strom

Zählt man Netznutzung, Messung, Netzzuschlag und Abgaben zusammen, ergeben sie 2026 im Median 56,6 Prozent des Endpreises. Auf die Energielieferung entfallen 43,4 Prozent. Über den Mittelwert gerechnet sind es 56,3 zu 43,7 — die Grössenordnung hält in beiden Rechnungen.

Wem gehört diese Leitung? Nach Angaben des Verbands Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen zu über 90 Prozent der öffentlichen Hand, rund 8 Prozent privat und 2 Prozent ausländisch. Um die Höhe der Netzkosten läuft ein Dauerstreit: Der Preisüberwacher rechnet mit rund 400 Millionen Franken jährlicher Überzahlung, die Branche hält dagegen, bei rund 1,4 Milliarden Investitionen und 850 bis 920 Millionen Abschreibungen im Jahr sei von doppeltem Abschreiben keine Rede.

Was sich 2027 ändert

Am 8. September 2026 hat die ElCom die Tarife für 2027 publiziert. Sie gelten ab dem 1. Januar; bis dahin zahlst du die Tarife von 2026, und auf denen rechnet diese Seite. Der Medianhaushalt kommt 2027 auf 26,56 Rp./kWh statt 27,89 — 1,33 Rappen weniger. Für die Schweiz als Ganzes weist die ElCom 26,56 gegenüber 27,70 aus; ihr Wert wird über die Netzgebiete aggregiert, unserer über die Gemeinden. Beide stehen hier, weil sie verschiedene Fragen beantworten.

Von 2’103 Gemeinden, die für beide Jahre melden, werden 1’800 günstiger, 301 teurer, 2 bleiben gleich. Getragen wird die Senkung von der Energiebeschaffung. Die Netznutzung geht in die andere Richtung, und wie weit, hängt daran, welche Reihe man rechnet: über die Gemeinden sinkt sie um 0,023 Rappen, über die Netzgebiete steigt sie um 0,215. Wer eine Richtung nennt, nennt die Reihe dazu.

An der Spannweite ändert das wenig. 2027 liegt die günstigste Gemeinde bei 10,56 Rp./kWh — Ferrera und Rongellen, beide Graubünden —, die teuerste bei 45,88 in Kestenholz SO. Das ist das 4,34-Fache statt des 4,52-Fachen im Vorjahr.

Der Ausweg führt über das eigene Dach

An den mengenabhängigen Posten kommst du nur auf einem Weg vorbei: Du musst Strom selbst produzieren. Jede Kilowattstunde vom eigenen Dach musst du nicht kaufen.

Was du damit machst, entscheidet über ihren Wert. Brauchst du sie im selben Moment im Haus — Waschmaschine, Wärmepumpe, Auto an der Wallbox —, sparst du den Arbeitspreis: 2026 im Median 26,26 Rp./kWh, also Energie, Netznutzung, Netzzuschlag und Abgaben zusammen. Der Messtarif ist nicht dabei, er läuft weiter, auch wenn der Zähler stillsteht. Speist du sie ins Netz, bekommst du nach Art. 12 Abs. 1bis EnV mindestens 6 Rp./kWh, dazu bis zu 3 Rappen für den Herkunftsnachweis.

Die selbst verbrauchte Kilowattstunde ist damit knapp drei- bis gut viermal so viel wert wie die eingespeiste. Deshalb dreht sich in Teil 3 bis 5 alles um eine einzige Frage: Wie viel der eigenen Produktion lässt sich im eigenen Haus nutzen?

Was wir nicht wissen

Quellen: ElCom, Tarifmeldungen der Verteilnetzbetreiber, Tarifjahre 2011 bis 2027, bezogen über LINDAS (Cubes electricityprice und electricityprice-swiss); Publikumsansicht unter strompreis.elcom.admin.ch. BFE, Schweizerische Gesamtenergiestatistik 2025, Tabelle 37, für die Reihe ab 1960, deflationiert mit dem Landesindex der Konsumentenpreise. Historisches Lexikon der Schweiz, «Elektrizitätswirtschaft», für die Zahl der Werke 1900 bis 1913. Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen für die Eigentümerstruktur. Preisüberwacher und ElCom für den Streit um die Netzkosten. Art. 17a StromVG für die getrennte Ausweisung der Messkosten, Art. 12 Abs. 1bis EnV für die Mindestvergütung.

Transparenz: Die Tarifzahlen dieses Beitrags werden bei jedem Build aus static/gemeindetarife.json nachgerechnet und im Text gesucht, in allen vier Sprachen. Unsere Werte sind Mediane und Mittel über Gemeinden, je Gemeinde der günstigste Anbieter im Standardprodukt; die ElCom-Werte sind zitiert, nicht nachgerechnet.

Strom (1/5): Wie sich dein Strompreis zusammensetzt
Die Kernzahl dieses Beitrags als Bild — zum Speichern und Teilen.
Beitrag teilen WhatsApp LinkedIn X E-Mail

Die Verkehrssteuer im Vollkostenrechner ausrechnen →

Zum Weiterlesen