Occasion & Bestand

Was von einem Jahrgang übrig bleibt: wie lange Elektroautos im Register stehen

Von den 13’176 Elektroautos, die 2019 in der Schweiz neu zugelassen wurden, stehen heute 11’899 im Register. Das sind 90,3 Prozent. Bei den Benzinern und Dieseln desselben Jahrgangs sind es 89,8 Prozent. Die beiden Zahlen liegen einen halben Prozentpunkt auseinander. Für die Jahrgänge davor fällt die Antwort anders aus, und dafür sorgt nicht der Antrieb, sondern eine Handvoll Modelle.

Zwanzig Jahrgänge, und was von ihnen steht

Der Bestandsauszug des ASTRA führt je eingelöstes Fahrzeug eine Zeile. Ausgewertet sind 7’187’424 Zeilen, darunter 4’898’473 Personenwagen mit Halterstandort Schweiz oder Liechtenstein. Sortiert nach dem Jahr der ersten Inverkehrsetzung zeigen sie, was von einer Flotte über zwanzig Jahre übrig bleibt.

Jahr der ersten InverkehrsetzungAlterheute im Registerdavon elektrisch
200620 Jahre77’1619
201016 Jahre155’13646
201511 Jahre266’7052’399
20197 Jahre309’04612’277
20224 Jahre231’69139’257
20251 Jahr239’48254’164

Autos aus dem Jahr 2006 fahren hier zu Zehntausenden, und 9 davon sind elektrisch. Darum ist über die Haltbarkeit von Elektroautos so wenig Belastbares zu finden. In der Schweiz gibt es keinen grossen Jahrgang, der alt genug wäre. Der erste mit mehr als zehntausend Elektroautos ist 2019, und der ist sieben Jahre alt.

Die Rate allein sagt nichts

Dass 90,3 Prozent eines Jahrgangs noch stehen, klingt gut oder schlecht, je nach Erwartung. Lesbar wird die Zahl erst neben derselben Rechnung für Verbrenner. Möglich ist dieser Vergleich, weil beide Werte aus derselben Quelle kommen und gleich abgegrenzt sind.

JahrgangElektroVerbrennerAbstand
201676,7 %80,5 %−3,8
201781,5 %84,6 %−3,1
201884,3 %87,9 %−3,6
201990,3 %89,8 %+0,5
202092,8 %90,4 %+2,4
202193,3 %91,8 %+1,5
202291,7 %91,2 %+0,5
202395,3 %94,5 %+0,8
202496,3 %95,9 %+0,4
202594,3 %93,5 %+0,8

Ab dem Jahrgang 2019 liegen Elektroautos gleichauf oder knapp darüber, davor drei bis vier Punkte darunter. Der Vergleich räumt nebenbei zwei Auffälligkeiten weg, über die man sonst stolpern würde. Der Jahrgang 2022 fällt aus der Reihe, und 2025 steht schlechter da als 2024, obwohl er jünger ist. Beides trifft Verbrenner genauso. Es sind Eigenheiten dieser Jahrgänge und sagen über Elektroautos nichts.

Woher der Rückstand der alten Jahrgänge kommt

Beim Jahrgang 2016 tragen drei Modelle den Rückstand, während der Rest im Bereich der Verbrenner liegt. Gerechnet ist je Modell dieselbe Rechnung wie oben, also wie viele neu zugelassen wurden und wie viele heute noch stehen.

Modell, Jahrgang 2016neu zugelassenheuteRate
Kia Soul EV1716839,8 %
Nissan Leaf1597647,8 %
Mercedes B 250 e16210866,7 %
BMW i332325077,4 %
Renault Zoe40631978,6 %
Tesla Model S1’2991’08583,5 %

Noch deutlicher wird es, wenn man dasselbe Modell über zwei benachbarte Jahrgänge verfolgt. Der Hyundai Ioniq kommt im Jahrgang 2018 auf 40,7 Prozent, bei 273 neu zugelassenen stehen noch 111. Im Jahrgang 2019 sind es 93,6 Prozent. Ein Jahr Altersunterschied, 53 Prozentpunkte. Beim Kia Soul stehen 52,5 gegen 96,5 Prozent. Renault Zoe, BMW i3 und Tesla Model S steigen über dieselben Jahrgänge gleichmässig um zwei bis fünf Punkte je Jahr, wie es sich für Alterung gehört.

Ein Jahr Altersunterschied, 53 Prozentpunkte. Vom Hyundai Ioniq des Jahrgangs 2018 stehen 40,7 Prozent noch im Register, vom Jahrgang 2019 sind es 93,6.

Was zwischen diesen beiden Jahrgängen passiert ist, können wir nicht belegen. Beide Modelle bekamen 2019 eine deutlich grössere Batterie. Das ist bekannt, steht aber in keiner Datenquelle, die uns offensteht. Wir haben es versucht. Das eDatenblatt des ASTRA, die Schweizer Typengenehmigung, führt Reichweiten je Fahrzeug. Eine Volltextsuche über alle 612’193 Zeilen brachte 87 Treffer auf diese Modellnamen, keinen vor Baujahr 2022. Die Datei reicht nicht so weit zurück. Gemessen ist damit der Sprung, seine Erklärung bleibt eine Annahme, eine naheliegende und eine unbewiesene.

Was die Zahl nicht sagt

Das Register kennt nur einen Zustand, eingelöst oder nicht. Ein Auto, das fehlt, kann verschrottet, exportiert, eingelagert oder zwischen zwei Haltern gerade abgemeldet sein. Für den Schweizer Occasionsmarkt bedeutet jeder dieser Fälle dasselbe. Für die Frage, ob eine Batterie hält, taugen sie unterschiedlich viel, denn ein exportierter Wagen fährt weiter.

Über den Zustand der Autos, die noch stehen, sagt die Zahl ebenfalls nichts. Ob eine sieben Jahre alte Batterie 95 oder 75 Prozent ihrer Kapazität hat, steht in keinem öffentlichen Datensatz. Wie wir an vier Schweizer Inseraten nachgesehen haben, steht es meist auch im Inserat nicht. Bei einer der Plattformen gibt es das Feld dafür, gefüllt war es kein einziges Mal.

Was daraus für einen Occasionskauf folgt

Die Jahrgänge 2019 bis 2021 stehen mit 59’704 Elektroautos im Register, und sie kommen jetzt in das Alter, in dem Fahrzeuge den Halter wechseln. Wie stark diese Welle schon läuft, zeigt der Halterwechsel-Datensatz. Im Januar 2022 wechselten 1’210 Elektroautos den Halter, das waren 1,85 Prozent aller Halterwechsel. Im September 2026 waren es 5’040 und 7,70 Prozent. Das mittlere Alter beim Wechsel stieg von 1,8 auf 3,1 Jahre.

Was daraus für die Preise folgt, ist eine Erwartung und keine Messung. Wir führen keine Occasionspreise, und eine offene Quelle dafür gibt es in der Schweiz nicht. Sagen lässt sich dies. Ein wachsendes Angebot gleichartiger Fahrzeuge trifft auf Käufer, die inzwischen Neuwagen mit deutlich mehr Reichweite danebenstehen sehen. Beides zusammen spricht für nachgebende Preise bei den Jahrgängen 2019 bis 2021 und damit für Verhandlungsspielraum. Belegen können wir davon die Menge.

Was wir nicht wissen

Quellen: ASTRA, Informationssystem Fahrzeuge (IVZ), Fahrzeugbestand — der Datensatz BEST, Stand 2. September 2026, ausgewertet am 19. September 2026: 7’187’424 Zeilen, 4’898’473 Personenwagen mit Halterstandort Schweiz oder Liechtenstein. ASTRA/IVZ, Neuzulassungen — die Jahresdateien 2016 bis 2025 als Nenner, gleich abgegrenzt. ASTRA/IVZ, Halterwechsel — der Datensatz AHOI, Januar 2022 bis August 2026. ASTRA, eDatenblatt — die Schweizer Typengenehmigung, 612’193 Zeilen, für die Gegenprobe zu den Reichweiten.

Transparenz: Die Verbleibsrate ist der Quotient aus zwei gezählten Grössen, nämlich Fahrzeugen eines Jahrgangs im heutigen Bestand und Neuzulassungen desselben Jahrgangs. Eingeführte Occasionen sind im Zähler nicht enthalten. Sie waren nie eine Schweizer Neuzulassung ihres Jahrgangs, und mitgezählt käme eine Rate über hundert Prozent heraus. Die Modellzahlen ziehen die Schreibweisen der Quelle zusammen, die nicht normiert sind; die Rohnamen stehen je Eintrag in fahrzeugverbleib.json ↗. Eine Rate gibt es erst ab Jahrgang 2016, weil den älteren Neuzulassungsdateien die Länderspalte fehlt. Jede Zahl dieses Beitrags wird bei jedem npm test aus den Quelldateien nachgerechnet und im Text gesucht, in allen vier Sprachen.

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