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Batteriezustand

Nach 5 bis 6 Jahren hat ein Elektroauto noch 94 Prozent Batteriekapazität

Ein 5 bis 6 Jahre altes Elektroauto ist in der Schweiz ein kaufbares Auto. Seine Batterie hat im Median noch 94,0 Prozent der ursprünglichen Kapazität, gemessen an 543 Tests in Schweizer Garagen. Wer davon abrät, weil die Batterie verbraucht sein könnte, berät gegen die Messwerte.

Drei Zahlen aus derselben Auswertung sagen, warum das so ist und wo die Vorsicht hingehört. Was daraus für einen Kauf folgt, steht am Schluss in drei Punkten — mit einer Tabelle, gegen die sich Alter und Kilometerstand eines Angebots halten lassen.

1. Der Verlust beträgt 1,1 Prozentpunkte im Jahr

Zwischen dem ersten und dem 6. Betriebsjahr fällt die Restkapazität um 4,3 Punkte, verteilt auf 4 Jahresschritte. Die Reihe fällt durchgehend, über 5 Altersklassen mit 86 bis 128 Tests je Klasse.

Gerechnet wird auf dem Median, nicht auf dem Mittelwert, und das macht hier 0,40 Punkte im Jahr aus: derselbe Schnitt über die Mittelwerte ergibt 1,5 statt 1,1. Der Grund steht im Abschnitt darunter — einzelne Batterietests aus Garantiefällen ziehen jeden Mittelwert, in dem sie liegen.

Median der Restkapazität in Prozent, in der letzten Spalte zum Vergleich der Mittelwert. Die kleine Zahl ist die Anzahl Tests in dieser Klasse. Blass gesetzte Zeilen tragen weniger als 10 Tests je Verfahren und sagen nichts.
Alter in JahrenAviloo FlashOEM-DiagnoseOEM − Avilooalle TestsMittelwert
0–197,8015100,0044+2,20100,006193,57
1–298,304599,0037+0,7098,308697,22
2–397,303598,0061+0,7097,7011296,11
3–494,155095,0075+0,8594,9012894,07
4–593,505696,0047+2,5094,1012192,77
5–692,102595,0061+2,9094,009691,32
6–788,70595,5030+6,8095,003791,67
7–887,70192,0013+4,3092,001889,25
8–985,05285,0010−0,0585,001277,18
9–10ohne74,502—84,70377,90
10–20ohne70,003—70,00359,67

Die Klasse unter einem Jahr steht im Median bei 100 Prozent und damit über allen folgenden — so, wie es sein muss. Im Mittelwert lag sie mit 93,6 Prozent unter der nächsten, was eine Batterie nicht kann. Der AGVS hat für uns in die Einzeldaten gesehen: darin liegen einzelne Garantiefälle, ein Neufahrzeug mit 2 km ist mit 5 Prozent erfasst. Die Rechnung beginnt trotzdem beim zweiten Jahr, weil 100 Prozent das Maximum der Skala ist und eine Kurve, die an der Obergrenze anfängt, ihren ersten Schritt überschätzt. Mit dieser Klasse wären es 1,2 statt 1,1 Punkte im Jahr.

2. Ein Jahr kostet so viel Kapazität wie 18’000 Kilometer

Dieselbe Auswertung schneidet die Tests auch nach Fahrleistung. Dort sind es 0,61 Punkte je 10’000 km. Gegen 1,1 Punkte im Jahr gerechnet entspricht ein Kalenderjahr rund 18’000 Kilometern.

Ein Schweizer Personenwagen fährt etwa 12’000 km im Jahr, also 67 Prozent davon. Damit erklärt die Fahrleistung den grösseren Teil des Jahresverlusts, und der Kalender den Rest. Auf den Mittelwerten sah das anders aus: dort entsprach ein Jahr 45’000 km, und der Kalender dominierte. Die Umkehrung kommt allein davon, dass der Median die Ausreisser nicht mitträgt.

Median der Restkapazität in Prozent, in der letzten Spalte zum Vergleich der Mittelwert. Die kleine Zahl ist die Anzahl Tests in dieser Klasse. Blass gesetzte Zeilen tragen weniger als 10 Tests je Verfahren und sagen nichts.
KilometerAviloo FlashOEM-DiagnoseOEM − Avilooalle TestsMittelwert
1–20’00098,6047100,0074+1,4099,0014094,68
20’000–50’00096,1510498,00144+1,8596,8526494,51
50’000–100’00093,007395,00139+2,0094,1523292,04
100’000–150’00090,25890,0021−0,2590,303390,15
150’000–200’00089,702100,004+10,3095,00694,90
200’000–800’000ohne15,001—49,85249,85

Ein Fahrzeug mit 100’000 km steht in dieser Auswertung bei 94,2 Prozent, ein 6 Jahre altes bei 94,0. Die beiden liegen 0,15 Punkte auseinander — zwischen viel gefahren und lange gestanden entscheidet diese Auswertung nicht. Wer ein Auto sucht, gewinnt hier nichts und muss die Batterie messen lassen.

3. Die Herstellerdiagnose streut 4,9-mal so stark

Beide Verfahren messen dieselben Batterien, und sie tun es unterschiedlich genau. Die Streuung — Standardabweichung geteilt durch den Mittelwert — liegt beim Aviloo Flash Test im Mittel der Klassen bei 3,0 Prozent, bei der OEM-Diagnose bei 14,6 — gemessen an 9 beziehungsweise 13 Klassen mit mindestens 10 Tests.

Dazu misst die Herstellerdiagnose gröber. Von 17 Klassenwerten sind 15 glatte ganze Prozente; beim Flash Test 1 von 14. Wer eine Herstellerdiagnose mit 100,0 Prozent vor sich hat, kennt die Restkapazität damit auf ein ganzes Prozent genau, mehr nicht.

Welches Verfahren höher misst, hängt davon ab, welche Zahl man nimmt, und das ist keine Spitzfindigkeit. Unter 20’000 km liegt der Median der OEM-Diagnose bei 100,0 Prozent, der des Flash Tests bei 98,6 — die Herstellerdiagnose 1,4 Punkte höher. Im Mittelwert kehrt sich das um: 98,1 gegen 91,7, der Flash Test 6,4 Punkte höher. Beide Zahlen stammen aus denselben 140 Tests; der Unterschied kommt von den Garantiefällen, die im Mittelwert stecken.

Hier liegt das Risiko beim Occasionskauf, nicht in der Zelle. Eine SOH-Angabe ohne das Prüfverfahren ist nicht vergleichbar. «OEM-Verfahren» fasst dabei die Prüfverfahren aller Hersteller zusammen; nach Angabe des AGVS wäre die Datenmenge je Marke zu klein für eine getrennte Auswertung.

Der AGVS sagt dazu selbst, was er den Garagen empfiehlt. Markus Peter, Technik & Umwelt, am 22.09.2026: Der Verband empfiehlt, Batterieprüfberichte und Zertifikate «insbesondere auch im Occasionsgeschäft» einzusetzen. Eine Standardisierung sei herausfordernd, weil die meisten Hersteller auf die internen Methoden ihrer Diagnoseanwendungen setzen und deren Werte auch für Garantiefälle massgeblich sind. Um Fahrzeuge verschiedener Marken zu vergleichen, mache es Sinn, «auf markenübergreifende Berichte/Zertifikate wie z.B. von Aviloo zu achten».

Was du beim Kauf tust

Drei Dinge, in dieser Reihenfolge.

  1. Die Batterie prüfen lassen, und zwar schriftlich. Aviloo Flash Test oder die Herstellerdiagnose — das Ergebnis gehört auf Papier oder ins PDF, mit Datum, Kilometerstand und dem Namen des Verfahrens. Eine mündliche Zusage ist keine Zusage, und eine Prozentzahl ohne das Verfahren daneben ist nach dem Abschnitt oben nicht vergleichbar. Für den Vergleich zwischen Marken empfiehlt der AGVS markenübergreifende Zertifikate.
  2. Alter und Kilometerstand gegen die Tabelle halten. Zwei Grenzen, beide grosszügig gegenüber dem, was diese Auswertung misst: höchstens 2 Prozentpunkte Verlust im Jahr und höchstens 20’000 km im Jahr. Wer beides einhält, liegt im Rahmen. Wer darunterfällt, muss erklären können, warum.
  3. Bei alten Fahrzeugen über den Preis reden. Was die Auswertung dazu hergibt, steht unter der Tabelle.
Die Faustregel gegen die Messung. Untergrenze ist 2 Punkte Verlust im Jahr, Laufleistung sind 20’000 km im Jahr. Die Spalte gemessen ist der Median dieser Auswertung; blass, wo die Klasse zu dünn ist.
AlterLaufleistung bisUntergrenze SOHgemessen
2 Jahre40’000 km96 %98,3 %86
4 Jahre80’000 km92 %94,9 %128
6 Jahre120’000 km88 %94,0 %96
8 Jahre160’000 km84 %92,0 %18
10 Jahre200’000 km80 %84,7 %3

Über zehn Jahre bricht der Wert ein, und wir können nicht sagen, wie weit. Die Klasse ab 10 Jahren steht bei 70 Prozent im Median und 59,7 im Mittel — bei 3 Tests. Das ist kein Befund, und es ist zugleich das Einzige, was diese Auswertung zum Thema hergibt. Beide Zahlen liegen weit unter allem, was jünger ist. Wer ein Fahrzeug dieses Alters kauft, kauft eine unbekannte Batterie und verhandelt den Preis entsprechend — oder lässt vorher messen, was Punkt 1 ohnehin verlangt.

Zwei Dinge, die keine Zahl dieser Auswertung erfasst:

Wo diese Daten aufhören

Ab 6 Jahren tragen die Klassen zusammen 73 Tests, und damit endet die Aussage. Der Absturz auf 85,0 Prozent im neunten Jahr beruht auf 12 Tests und ist kein Befund. Die Batteriegarantie läuft acht Jahre; für das letzte Drittel dieser Frist und für die Zeit danach gibt es in der Schweiz keine belastbare Messreihe. Die Rate von 1,1 Punkten im Jahr gilt für ein bis 6 Jahre und wird hier nicht weitergerechnet — eine Batterie altert nicht linear, und 73 Tests belegen keine Kurve.

Quelle und Rechenweg

Datenkarte: Restkapazität, Verlust im Jahr und Streuung der Prüfverfahren